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Neue Therapiemethode für Herzpatienten am BK
Das St. Bernward Krankenhaus (BK) macht bei der Therapie bösartiger Herzrhythmusstörungen, die zum plötzlichen Herztod führen können, einen großen Schritt nach vorn. Anfang Juli hat das Team der Klinik für Kardiologie, Elektrophysiologie und internistische Intensivmedizin erstmals einen sogenannten extravaskulären implantierbaren Defibrillator (EV-ICD) eingesetzt. Das System ist seit Herbst 2023 in Deutschland zugelassen und kam weltweit erst 10.000 Mal zum Einsatz – in Deutschland wurde es bisher nur an großen Herzzentren von Maximalversorgern implantiert. „Wir sind sehr stolz, dass wir unser Zentrum im BK nun auch für diese Therapiemethode qualifizieren konnten“, sagt Chefarzt PD Dr. Stephan Hohmann.
Das Besondere an dem neuen System: Die Elektrode, über die das Defibrillatorsystem den Herzschlag wahrnimmt und lebensrettende Therapien abgeben kann, verläuft nicht wie üblich durch die Gefäße zum Herzen. Stattdessen wird sie über einen kleinen Schnitt unter das Brustbein geschoben und liegt auf dem Herzmuskel außen auf. Das habe viele Vorteile, erklärt Dr. Hohmann: „Wenn die Elektroden im Gefäßsystem liegen – wie es bei ‚klassischen‘ Defibrillatoren der Fall ist – werden sie deutlich mehr beansprucht, da sie sich mit jedem Herzschlag bewegen.“ Zudem könnten die Elektroden zum Nährboden für Bakterien werden, da sie direkt im Blutstrom liegen. „Bei ansonsten gesunden Patienten ist das nicht schlimm“, stellt der Chefarzt fest. „Aber bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem kann das zu Problemen führen.“
So auch bei Anja Olias. Bei der 55-Jährigen Hildesheimerin wurden im August 2025 eine schwere Herzschwäche und ein hohes Risiko für bösartige Herzrhythmusstörungen festgestellt. Da sie aufgrund einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems nehmen muss, kam die Implantation eines herkömmlichen Defibrillators für sie nicht in Frage. Zum Schutz vor dem plötzlichen Herztod musste Anja Olias eine Defibrillator-Weste tragen – 24 Stunden am Tag. Lediglich zum Duschen durfte sie die Weste abnehmen und auch dann musste für alle Fälle immer jemand bei ihr sein.
Anfang Juli war Anja Olias die erste Patientin, der in Hildesheim das neue Defibrillatorsystem eingesetzt wurde. Eine Woche später kommt sie zur Nachuntersuchung ins St. Bernward Krankenhaus. Die Werte: alle perfekt. Anja Olias strahlt. „Am meisten freue ich mich über die neu gewonnene Lebensqualität“, sagt sie. In drei Monaten steht die nächste Kontrolle für die Hildesheimerin an, anschließend wird die Funktion des Defibrillators alle sechs Monate überprüft.
Auch Dr. Hohmann ist begeistert, dass er mit dem EV-ICD nun Patienten aus Hildesheim und der Region versorgen kann, bei denen das zuvor nicht möglich war. „Gerade für junge Patientinnen und Patienten, die noch viele Jahre mit dem System leben werden, sowie für immunsupprimierte Menschen haben wir jetzt eine sehr gute Option – und das direkt hier vor Ort in Hildesheim“, freut sich der Chefarzt.
Fotos: St. Bernward Krankenhaus / Seiffert

Judith Seiffert
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