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Mehr Lebensqualität für Krebspatienten
Wie kann die Lebensqualität von Patienten mit Bauchspeicheldrüsen- oder Gallengangkrebs verbessert werden? Diese Frage ist Grundlage einer neuen Krebsforschungsstudie der Kliniken für Onkologie und Radiologie am St. Bernward Krankenhaus (BK). „Noch vor einigen Jahren spielte die Lebensqualität bei der Behandlung von Krebspatienten nur eine untergeordnete Rolle“, erinnert sich Prof. Dr. Christian Könecke, Chefarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie. „Der Fokus richtete sich eher auf die Fragen: ‚Kann der Tumor entfernt werden?‘ und ‚Überlebt der Patient?‘“ Dies sei heute anders. Gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Jan Hinrichs, Chefarzt der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie, bietet Könecke deshalb bestimmten Patienten mit Bauchspeicheldrüsen- oder Gallengangkrebs ein minimalinvasives Verfahren an, das die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern kann.
„Bei Patienten mit diesen Krebsarten wächst der Tumor häufig in der Nähe der sogenannten Pfortader, einem großen Bauchgefäß, das vom Darm zur Leber führt“, erklärt Prof. Könecke. Je nach Größe und Lage des Tumors kann dabei die Pfortader eingeengt werden, was wiederum den Blutfluss hemmt. „Dadurch, dass das Blut nicht mehr gut abfließen kann, entsteht Bauchwasser.“ Dieses sei für die Patienten sehr unangenehm. „Teilweise müssen die Patienten wöchentlich punktiert werden, um das Wasser aus dem Bauch zu holen“, stellt Prof. Könecke fest. „Das ist für diese sowieso schon sehr schwer erkrankten Menschen eine große zusätzliche Belastung.“
Abhilfe kann ein Stent schaffen, der von den Ärzten der Radiologie minimalinvasiv in die Pfortader eingebracht wird, sie öffnet und so den ungehemmten Blutfluss wiederherstellt. „Das ist ein sehr komplexer Eingriff, den nicht viele Kliniken anbieten“, erklärt Prof. Hinrichs. Da die Pfortader tief im Bauch liege und die Organe miteinander verbinde, sei sie nur schwer von außen zugänglich. „Es ist nicht möglich, die Pfortader per Katheter über z.B. die Leistenvene zu erreichen“, erklärt der erfahrene Radiologe Hinrichs, der sich auf interventionelle Kathetereingriffe unter Bildgebung spezialisiert hat. Stattdessen müsse der Katheter direkt über die Bauchwand durch die Leber bis zur Pfortader vorgebracht werden.
Der komplexe Eingriff zählt bisher nicht zu den Standards in der Behandlung von Bauchspeichel- oder Gallengangkrebs. Das soll die Forschungsstudie am BK ändern: „Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu prüfen, ob diese Behandlung die Lebensqualität der betroffenen Patienten signifikant erhöht“, sagt Prof. Könecke. Hierfür arbeitet das BK mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zusammen. „Den retrospektiven Teil der Studie – d.h. die Überprüfung, welchen Einfluss der Eingriff auf die Lebensqualität der Betroffenen hatte – erforschen wir gemeinsam mit der MHH“, verdeutlicht Hinrichs. Im BK erfolgt der prospektive Teil der Studie, d.h. geeignete Patienten werden ausgewählt, anschließend wird der medizinische Nutzen und Erfolg des Eingriffes überprüft und dokumentiert. Unter anderem sollen hierfür standardisierte Fragebögen eingesetzt und ausgewertet werden.
Dass solch eine Krebsforschungsstudie am BK überhaupt möglich ist, ist Dieter-Heinrich Engelmann zu verdanken. Der inzwischen verstorbene Hildesheimer hatte zu Lebzeiten verfügt, sein Vermögen über eine Stiftung für die Krebsforschung einzusetzen, bevorzugt regional. Die „Dieter-Heinrich Engelmann-Stiftung“ ist eine von aktuell 64 Zustiftungen, die zur Stiftergemeinschaft der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine gehören und von dieser im Sinne des Stifters auch über den Tod hinaus aktiv gemanagt und verwaltet werden. Doreen Bechtold, Geschäftsführerin der Stiftergemeinschaft, ist froh, dass sie Dieter-Heinrich Engelmanns Wunsch erfüllen kann: „Ich weiß, dass Herr Engelmann sich sehr darüber gefreut hätte, dass sein Geld an Krebs erkrankten Menschen hier direkt vor Ort in Hildesheim zugutekommt.“ Die Fördersumme von 55.000 Euro soll unter anderem dafür eingesetzt werden, am BK zusätzliche Personalkapazitäten für die Umsetzung der Studie zu schaffen.
Auch BK-Geschäftsführerin Karen Thiele dankte bei der symbolischen Scheckübergabe dem Stifter und der Stiftung. „Für uns als Haus ist es toll, dass wir dank der Förderung die Möglichkeit erhalten, solch ein Forschungsprojekt bei uns umzusetzen. Das ist schon etwas sehr Besonderes.“
Die Stiftergemeinschaft der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine ist eine gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts und für alle Bürgerinnen und Bürger offen. Jeder kann hier auf einfache und unbürokratische Weise seine eigene Stiftungsidee verwirklichen. Dies kann zu Lebzeiten oder im Todesfall per Testament erfolgen, auch eine Kombination ist möglich. Welcher Bereich gefördert werden soll – z.B. Wissenschaft, Gesundheit, Bildung, Soziales, Sport, Umwelt, Klimaschutz, Kunst, Kultur, Jugend- und Altenhilfe oder Tierschutz – entscheidet die Stifterin oder der Stifter selbst. Um die Anlage des Stiftungsvermögens, die Verwaltung der Stiftung, die Einhaltung der steuerlichen und stiftungsrechtlichen Vorgaben sowie die Öffentlichkeitsarbeit kümmert sich das erfahrene Stiftungsmanagement.
Weitere Infos und Kontaktdaten sind online unter www.sparkasse-hgp.de/de/home/ihre-sparkasse/stiftungen.html zu finden.
Foto: Doreen Bechtold (zweite von rechts) von der Stiftergemeinschaft der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine übergibt den symbolischen Scheck an Karen Thiele, Prof. Dr. Jan Hinrichs und Prof. Dr. Christian Könecke (von links).
© St. Bernward Krankenhaus / Seiffert

Judith Seiffert
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